Industriekultur in Belgien
Belgien ist nicht unbedingt das erste Land an das man denkt, wenn es um Zeitzeugen der Industriekultur geht. Dabei sind besonders hier sehr viel schöne, und vor Allem interessante Denkmäler aus den großen Zeiten der Industrialisierung erhalten geblieben. Bergbau und die Verarbeitung von Eisen und Stahl haben in den einzelnen Regionen ihre Spuren hinterlassen und die verbliebenen Relikte aus diesen Zeiten sind heute lohnenswerte Ziele unter Anderem im Hennegau, in Flamen und in der Region Limburg. Neben Zechen und den weiterverarbeitenden Betrieben musste selbstverständlich auch der logistische Aufwand bewältigt werden, was zum Bau von Kanälen, Schleusen und imposanter Schiffshebewerke führte.
Lüttich – Europas Eisenschmiede
Lüttich hat lange den Beinamen ‘Eisenschmiede Europas’ getragen. Steinkohle und Erz waren im Boden reichlich vorhanden und man begann schon kurz nach den Anfängen der Industrialisierung in England auch hier mit der systematischen Verwertung der Bodenvorkommen. Das Bergwerk Blegny blickt auf eine lange Vergangenheit zurück, die bis in das 16. Jahrhundert reicht, als schon die ersten Mönche hier mit einfachsten Mitteln Steinkohle ans Tageslicht förderten.
Bergbaumuseum Beringen
In Beringen zeigt das Flämische Bergbaumuseum die kurze Geschichte des Berbaus in dieser Region. Etwa 50 Jahre förderten hier Zechen das schwarze Gold, bevor man die Gruben aufgab. Im Museum folgt man einem Bergamnnspfad, an dessen Verlauf von der Waschkaue bis zur Lohnhalle viele Stationen des täglichen Lebens als Bergmann zu sehen sind. In Beringen gehört die alte Siedlung der Bergmänner zu den sehenswerten Orten. Eine alte Kapelle und die typischen Häuser versetzen die Gäste zurück in die Zeiten, als man hier noch von der Kohle lebte.
Zeche Le Bois de Cazier
Eine weitere Zeche ist die Le Bois de Cazier. Sie liegt in der Nähe von bei Charleroi und erlangte im Jahr 1956 eine traurige Berühmtheit, als hier über 250 Menschen bei einem Unfall ihr Leben ließen. Die ‘Tragödie von Marcinelle’ ist in der europäischen Industriegeschichte ein Begriff und führte zur Verbesserung der Sicherheitsstandards. Heute kann man hier nicht nur die Zeche besichtigen, auch ein Walzwerk und viele Maschinen aus der Bergbautechnik sind gut erhalten. Zu ihren besten Zeiten versorgte das Bergwerk viele Betriebe in der Wallonie, die neben Stahl auch Chemieerzeugnisse und Glas herstellten, mit der unverzichtbaren Energiequelle Steinkohle, die neben dieser Aufgabe auch als Rohstofflieferant diente.
Schiffshebewerke am Canal du Centre
Der Transport der in Belgien industriell hergestellten Güter sowie der Rohstoffe musste ebenfalls organisiert werden. So wurden Kanäle gebaut, die wichtige Punkte miteinander verbanden. Zum Ausgleich der Höhenunterschiede dienten technische Meisterleistungen wie die Schiffshebewerke am Canal du Centre, wie das Schiffshebewerk in La Louviére. Heute durch ein einziges, modernes wie das in La Louviére ersetzt, sorgten in der Vergangenheit viele einzelne Anlagen dafür, dass der Warenfluss durch Belgien ungehindert verlief. Die alten Hebewerke sind zu besichtigen und gewähren einen interessanten Einblick in die Technik, die ein Schiffshebewerk benötigt.